Musiktherapie - mit Gesang und Mundharmonika
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Musiktherapie – mit Gesang und Mundharmonika

Musiktherapie – mit Gesang und Mundharmonika

Lieder von damals tragen zur Genesung bei

Musiktherapie – mit Gesang und Mundharmonika : Mittwochnachmittag in der MediClin Schlüsselbad Klinik: Stimmungsvoller Gesang ertönt in den Fluren und Foyers der Klinik in Bad Peterstal. Folgt man den Klängen, stößt man auf eine große Anzahl singender Patienten. Sie sitzen mit Liedheften in der Hand in einem Kreis und singen mit leuchtenden Augen aus voller Inbrunst Volks- und Heimatlieder. „Diese Lieder kennen sie nur zu gut aus ihren Kinder- und Jugendjahren“, berichtet Lucia Ehret-Benz, Logopädin an der Schlüsselbad Klinik. „Das sind Lieder, die sie in der Schule, zu Hause und beim Wandern immer gesungen haben“. Die Logopädin leitet das therapeutische Singen und begleitet den Gesang mit ihrer Gitarre in einer gefühl- und stimmungsvollen Weise.

Therapeutische Wirkung
Die therapeutische Wirkung des Singens und gemeinsamen Musizierens ist vielfältig – psychische, körperliche und soziale Aspekte spielen eine Rolle. Singen wirkt aufmunternd, erzeugt Freude und Energie, löst Angst und Traurigkeit und kann das Schmerzempfinden stark verringern. „Durch die Musiktherapie können wir häufig die Fokussierung unserer Patienten auf die Krankheit und die damit verbundenen Symptome lösen und diese hin zu positiveren Gefühlen wenden. Das kann zu einer einfacheren und nachhaltigeren Genesung beitragen“, erklärt Dr. Christian Herpers, Oberarzt in der geriatrischen Abteilung. Das Selbstwertgefühl der Patienten wird gefördert, da sie ihre vorhandenen Begabungen wieder erkennen und sich dadurch selbst wieder mehr wertschätzen und „trauen“, am sozialen Leben teilzuhaben. „Die Volks- und Heimatlieder haben für die Patienten außerdem einen hohen Erinnerungswert“, weiß die Logopädin Lucia Ehret-Benz. „Oftmals sind die Lieder, die früher gesungen wurden, mit wichtigen biographischen Ereignissen verknüpft.“

Da es häufig vorkommt, dass geriatrische Patienten in ihrem Alltag zu Hause alleine leben und isoliert sind, hat das Singen in der Gruppe auch eine große soziale Bedeutung. Hier lernen sie Kommunikation, die von allen gelebt werden kann – zum Beispiel sich über früher erlebte oder aktuelle Ereignisse auszutauschen.

Auch sinnvoll bei neurologischen Erkrankungen
Nicht nur bei internistischen und orthopädischen Krankheitsbildern, die oftmals mit einer Einschränkung der allgemeinen körperlichen Kraft, Leistungsfähigkeit und Mobilität einhergehen, sondern auch bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen, Morbus Parkinson, Multipler Sklerose oder Demenz wirkt die Musiktherapie genesungsfördernd. „Das Singen verbessert die Atmung und Stimme. Oft weisen diese Patienten eine flache Atmung auf: Hier wirkt Singen wie Atemtraining. Automatisch atmen die Patienten tiefer ein und langsamer wieder aus“, erklärt Lucia Ehret-Benz. Bei Sprachstörungen sind die immer wiederkehrenden Gesangsrhythmen und Texte sehr hilfreich, um die Sprachproduktion durch Automatismen zu reaktivieren und zu verbessern. Und nicht zuletzt profitieren auch an Demenz erkrankte Patienten von der Musiktherapie. Denn durch das Singen werden Erinnerungen, Emotionen und automatisierte Fähigkeiten wiederentdeckt – das bringt Selbstvertrauen und Lebensqualität zurück.

Drei Gruppenangebote pro Woche
In der Klinik gibt es drei Gruppenangebote pro Woche von je einer Stunde. Teilnehmen können bis zu 15 Patienten pro Gruppe. Die Logopädin hat hierfür ein Liedheft mit Volks- und Heimatliedern zusammengestellt. Die Patienten wünschen sich Lieder aus diesem Heft oder bringen eigene Lieder, Gedichte und Geschichten ein. Auch selbst mitgebrachte Instrumente wie Mundharmonika, Gitarre oder Maultrommel werden miteinbezogen.

Letztlich ist die Musiktherapie nur ein kleiner Baustein des fachübergreifenden, multidisziplinär verzahnten Therapieansatzes, der bei der Rehabilitation in der MediClin Schlüsselbad Klinik gelebt und umgesetzt wird. Ärzte, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, eine Logopädin, Psychologinnen und Aktivierungstherapeuten arbeiten hier Hand in Hand zusammen. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt eindeutig, dass gerade die Musiktherapie bei den Patienten einen sehr hohen Stellenwert einnimmt: Jedes Mal finden sich einige Patienten schon vor der geplanten Uhrzeit ein, um am gemeinsamen Singen teilzunehmen. Die Musiktherapie ist damit unverzichtbarer Bestandteil des therapeutischen Konzepts der Klinik geworden. Was wäre aber auch das Leben ohne Musik?

Zusatzinfo:

Was ist eine geriatrische Rehabilitation?
Als geriatrische Rehabilitation bezeichnet man eine Rehabilitationsmaßnahme, die speziell auf ältere Menschen mit Mehrfacherkrankungen zugeschnitten ist. Sie richtet sich konkret an Patienten, die über 70 Jahre alt sind und mehrere Erkrankungen haben, also multimorbid sind. Daher erfordert diese Art der Rehabilitation komplexere und schonendere Behandlungsangebote als andere Fachbereiche. Ziel dieser speziellen Behandlung ist es, die Selbstversorgungfähigkeiten wieder zu verbessern sowie die (erhöhte) Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.

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