2,4 Millionen Wildschweine in Deutschland

2,4 Millionen Wildschweine in Deutschland

Klöckner in Sachen Schwarzwild schlecht beraten

2,4 Millionen Wildschweine in Deutschland : Die seit Jahrzehnten steigende Zahl der Wildschweine ist trotz tierschutzwidriger Maßnahmen wie der Aufhebung von Schonzeiten, der Jagd zu Nachtzeiten mit künstlichen Lichtquellen, dem Einsatz von Saufängen und der Intensivierung von Drückjagden nicht aufzuhalten.

In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner führt die Tierschutzorganisation Wildtierschutz Deutschland diese Entwicklung auf die schlechte Beratung durch die eigenen Behörden zurück. Im Wesentlichen seien der großflächige Anbau von Raps und Mais und eine völlig unstrukturierte, weil nach persönlichen Präferenzen der Jäger durchgeführten Jagd die Hauptursachen der nicht zielführenden Maßnahmen zur Begrenzung der als relativ hoch empfundenen Schwarzwildbestände.

Ziel müsse es sein, die in den nächsten Jahren zwischen 1,4 und 2,4 Millionen schwankende Zahl der Wildschweine auf diesem Niveau zu begrenzen. Wildtierschutz Deutschland empfiehlt dazu die folgenden Maßnahmen:

 -  Zentrale, bundesweite Koordinierung eines Schwarzwild-Bestandsmanagements. Ziel: 
    koordinierte einheitliche bundesweite Vorgehensweise in den Revieren. 
 -  Reduzierung des Jagddrucks. Jagdlicher Eingriff ausschließlich in die Klasse 
    der Frischlinge und Überläufer. Ggf. finanzieller Anreiz. Verbot des Abschusses 
    von gesunden adulten Tieren. Ziel: Hohes ASP-Ansteckungsrisiko durch Frischlinge 
    reduzieren. Aufbau und Förderung von reproduktionsmindernden, artgerechten 
    Sozialstrukturen. 
 -  Verbot von revierübergreifenden Drück-Stöberjagden. Ziel: Beibehaltung der Ortstreue 
    adulter Tiere und damit Reduktion der Streifgebietsumfänge. 
 -  Schaffung besserer Überwachungsinstrumente für die Populationsdichte von 
    Wildschweinen, die möglicherweise nicht auf Jagddaten basieren (Monitoring). 
 -  Förderung der Forschung zu den Möglichkeiten der Verabreichung von Kontrazeptiva in 
    Problemzonen (z.B. Stadtgürtel, räumliche Nähe zur Massentierhaltung). (EU-zugelassene 
    Kontrazeptiva für Hausschweine gibt es bereits. Diese sind unbedenklich hinsichtlich 
    der Lebensmittelgewinnung. Die Verabreichung von Impfungen an Schwarzwild wurde z.B. 
    in Katalonien bereits erfolgreich praktiziert.) 
 -  Förderung der Forschung zur Dynamik der Wildschweinpopulationen und den Möglichkeiten 
    zur Kontrolle und der räumlichen und zeitlichen Lenkung von Schwarzwildbeständen. 
 -  Förderung der Forschung zur Entwicklung von Impfstoffen (für Hausschweine) gegen die 
     Afrikanische Schweinepest. 
 -  Die europaweite Agrarpolitik sollte die Auswirkungen auf die Dynamik der 
    Wildtierpopulation beim Management von Wildtierkrankheiten berücksichtigen. Das 
    Gegenteil ist der Fall. In Deutschland werden inzwischen allein Mais und Raps auf 
    einer Fläche, die der Größe von Mecklenburg-Vorpommern entspricht, angebaut. 
 -  Erarbeitung von Agrarförderkonzepten, welche Anreize schaffen, der Hauptursache der 
    Schwarzwildzunahme und vieler anderer Probleme, der zunehmenden Intensivierung und 
    Industrialisierung der Landwirtschaft, entgegenzuwirken (z.B. Prämien für 
    kleinflächige und vielfältige Anbauformen).

Die derzeitigen, seit Jahren nicht erfolgreichen Maßnahmen resultieren letztlich aus dem Herdenverhalten der zuständigen Politiker und deren Berater und werden nach jahrelangem Misserfolg auch künftig das Blatt nicht wenden. Sie scheuen das Risiko, einen vielleicht erfolgreicheren Weg zu gehen, weil sie damit natürlich auch scheitern könnten und sie glauben, mit diesem Scheitern alleine dastehen zu können.

+++

Offener Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

EFSA-Studie: “Evaluation of possible mitigation measures to prevent introduction and spread of African swine fever virus through wild boar

Weitere Informationen

Über Wildtierschutz Deutschland e.V.:

Wildtierschutz Deutschland wurde 2011 gegründet und setzt sich seitdem für die Abschaffung der Jagd ein, wo sie tierquälerisch ist oder nicht einem vernünftigen Grund gemäß Tierschutzgesetz folgt. Außerdem engagiert sich der Verein für die Aufnahme, Versorgung und Auswilderung von in Not geratenen Wildtieren. Mitbegründer des www.aktionsbuendnis-fuchs.de Mitglied der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutz (DJGT)

Beachten Sie auch

Mehr Corona-Tests - mehr Freiheiten
Bild: SWR / Patricia Neligan

Mehr Corona-Tests – mehr Freiheiten?

Mehr Corona-Tests – mehr Freiheiten? Teststrategie: mehr Corona-Tests – mehr Freiheiten? “Zur Sache Baden-Württemberg!”, SWR …

Sorge um Klinik-Privatisierung für 50.000 Euro
Bild: Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH Fotograf: Lorenz Bee

Sorge um Klinik-Privatisierung für 50.000 Euro

Sorge um Klinik-Privatisierung für 50.000 Euro Ulm: Sorge um eine Klinik-Privatisierung für 50.000 Euro – …