Jeder 5. fühlt sich nicht mehr zugehörig

Jeder 5. fühlt sich nicht mehr zugehörig

Jeder fünfte Deutsche fühlt sich nicht mehr zugehörig

Jeder 5. fühlt sich nicht mehr zugehörig : SoVD veröffentlicht Gutachten zum Thema „Einsamkeit und soziale Isolation“ und sieht dringenden Handlungsbedarf

Anlässlich der heute in der Bundespressekonferenz veröffentlichten Ergebnisse eines Gutachtens zum Thema „Einsamkeit“ erklärt Professor Dr. Ursula Engelen-Kefer:

„Wie ein Brennglas hat die Corona-Pandemie grundlegende Systemfehler und langjährige Fehlentwicklungen in den deutschen Sozialsystemen aufgezeigt und zugleich bestehende Probleme verschärft. So haben etwa Besuchsverbote und Ausgangsbeschränkungen in stationären Einrichtungen die Ausgrenzung von Pflegebedürftigen, chronisch Kranken und Menschen mit Behinderungen verstärkt.“ Sozial isoliert oder gar exkludiert fühlen sich auch Hochbetagte, Langzeitarbeitslose, Armutsbetroffene, darunter viele Alleinerziehende, so die SoVD-Vizepräsidentin: „Wo das Geld fehlt, um die Kinder für das Homeschooling digital fit zu machen, wird gesellschaftliche Teilhabe zum Fremdwort.“

„Bereits vor der Corona-Pandemie waren in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen meist oder (sehr) oft einsam. Studien, die nach sozialer Isolation und sozialer Exklusion fragen, legen die tiefe Spaltung unserer Gesellschaft offen. Jede*r fünfte Deutsche fühlt sich nicht mehr zugehörig“, betont Professor Engelen-Kefer. „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Gutachterin Prof. Dr. Claudia Neu, Leiterin des Fachgebietes Soziologie ländlicher Räume der Universitäten Göttingen und Kassel, untermauert diese Feststellung: „Die Corona-Pandemie verschärft das Einsamkeitserleben gerade auch bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie leiden besonders unter den Kontaktbeschränkungen.“ Die Schließung von Schulen und Kitas oder der Wegfall von Begegnungsorten wie Schwimmbädern, Bibliotheken, Vereinsheimen oder Sportstadien erhöhten das Einsamkeitsrisiko, so Professor Neu. „Gerade im ländlichen Raum gibt es oftmals keinen barrierefreien und bezahlbaren ÖPNV, keine Ärzte- und Krankenhäuser, keine Kultureinrichtungen, Quartiersläden oder soziale Begegnungsorte; hier ist die Frage der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse sehr konkret. Akut von Isolation, Exklusion und Einsamkeit sind daher diejenigen besonders bedroht, die von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen ausgeschlossen sind. Einsamkeit und Isolation sind zudem auch ein Spiegel fehlender sozialer Orte und Gelegenheitsstrukturen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.“

Für den SoVD ergeben sich drängende Handlungserfordernisse, wie der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft gelingen kann. „Vor allem der Zugang zu sozialer Teilhabe ohne Barrieren und Diskriminierung ist entscheidend. Dafür muss Geld in die Hand genommen und müssen Kommunen dabei unterstützt werden, die notwendige Infrastruktur zu schaffen“, macht Professor Engelen-Kefer deutlich.

In der Pandemie müssen Hygiene- und Schutzkonzepte bundesweit konsequent eingefordert, umgesetzt und kontrolliert werden, um besonders vulnerable Personengruppen vor einer Virus-Erkrankung zu schützen. Gleichzeitig müssen konkrete Maßnahmen greifen, die Vereinsamung und Isolation entgegenwirken. Dazu sind aus Sicht des SoVD vor allem aufsuchende Hilfen und zugehende Angebote zu stärken – nicht zuletzt für Menschen, die im häuslichen Umfeld Unterstützung benötigen. Weil auch junge Menschen während der Corona-Krise besonders unter Einsamkeit leiden, müssen sie besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten. Der SoVD hat dafür konkrete Handlungsperspektiven vorgelegt, insbesondere für inklusive Bildung, Arbeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

www.sovd.de

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